Aussiger Straße

frankfurter bembel Aus der Heimat vertrieben werden muss schlimm sein, ganz gleich, wo Heimat ist. Die Aussiger Straße in Sachsenhausen erzählt, neben anderen Geschichte(n), auch von Vertreibung, doch nicht nur.

Auch Königsstädte müssen leiden …

Aussig ist eine nordböhmische Stadt, liegt ca. 20 km östlich von Teplitz und die Elbe bildet die Hauptschlagader durch ihre Altstadt. Man hört von Aussig offiziell um 990, als sie noch ein kleiner Flecken ist, dessen Bewohner das Geld mit Handel verdienen. Doch bis zum aussiger strasse13. Jahrhundert erarbeiten sich die Menschen der kleinen Siedlung Titel und Rechte einer Königsstadt, die ihr von Ottokar II., König von Böhmen, zugesprochen werden. Aussig erhält die Stadtrechte, wobei die Stadt im Sinne des Magdeburger Stadtrechts geführt wird. Es folgen schlimme Jahrhunderte – ab 1419 wird sie in langwährende, immer wieder heftig aufflammende Hussitenkriege inkl. der Schlacht bei Aussig selbst verwickelt. Auch der um 1618 beginnende Dreißigjährige Krieg setzt Land, Stadt und Leuten mächtig zu. Bis in die Neuzeit wird gekämpft, eingenommen, annektiert, mit einigen Ruhephasen zur Erholung dazwischen.

Die Neuzeit bringt Erlösung – vorübergehend …

Doch endlich das Industriezeitalter! Auch Aussig wird von ihm erfasst und Landwirtschaft, Handwerk und Bergbau bringen der Stadt Anfang des 19. Jahrhunderts den erhofften Aufschwung.  Die Bevölkerungszahl steigt und die Stadt entwickelt sich beständig weiter. Bis Europa in Kriegen versinkt und für alle der Einbruch kommt. Heute ist Aussig tschechische Universitätsstadt und industrieller Mittelpunkt Nordböhmens.

Wer ohne Sünde ist, der werfe ….

Es fällt schwer, über diese Straße zu schreiben, doch es nicht zu tun, wäre auch nicht richtig. Vielleicht trägt die Aussiger Straße ihren Namen zum Gedenken an all jene deutschstämmigen Menschen, die 1945 in Aussig einer Vernichtungswelle ausgesetzt waren. Ob berechtigt oder nicht! Vernichtung kann nie richtig sein und Aufrechnen ebensowenig – Versöhnung, ja doch!
So enthüllt 2005 der Aussiger Bürgermeister eine Gedenktafel zum Zeichen der Versöhnung. Mit der Aussiger Straße gedenkt man auch in Frankfurt Sachsenhausen der Menschen von 1945 und fügt sich in den Prozess der Versöhnung ein.
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