Geleitsstraße

frankfurter bembel Nicht nur die Geleitsstraße in Sachsenhausen zeugt von einem funktionierenden mittelalterlichen Schutzsystem. Schon in der Quirinsstraße begegnet man den sog. Geleitherren, von denen man weiß, dass sie vom Kaiser das Recht zum Geleitschutz erwerben können. Es ist das Recht, Anreisenden und Kaufleuten auf dem Weg in die Stadt bewaffneten Schutz durch gefährliches Gebiet zu bieten, denn als das nötig ist, sind die Straßen um Frankfurt am Main herum höchst unsicher.

Mittelalterliches Schutzgeld …

Ganz allgemein: Reisende und Kaufleute können Geleitschutz für ihre Reise durch ein bestimmtes Gebiet oder den Transport von speziellen Gütern kaufen. Die Geleitherren, die territorialen Herren, haben in diesem Falle dafür zu sorgen, dass die Passage reibungslos verläuft. Einen Schutzbrief gibt es nur bei Barzahlung, weil Bargeld immer gebraucht wird und deshalb hoch begehrt ist – schließlich ist das mittelalterliche Leben ziemlich teuer! Die Ritter, die Landesfürsten selbst, sind die Geleitherren, die ihre Schutzgebiete gegeneinander klar abgrenzen und kennzeichnen. Und wehe dem, der eine solche Grenze überschreitet …

Mittelalterliches Fitnesstraining + Versicherungsschutz  …

Mehr noch. Die mittelalterlichen Schutzherren haben in dieser oft so rauen Zeit nicht immer einen Krieg zur Verfügung, in dem sie sich (militärisch) austoben können. Daher nutzen sie die Chance, die ihnen der Geleitschutz bietet, und profilieren sich im Kampf gegen Räuber oder konkurrierende Nachbarn gleich vor Ort. Das ist allerbestes Fitnesstraining! Doch auch dieser Spaß ist mit hohem finanziellem Aufwand verbunden, weshalb man auf die smarte Idee kommt, das System zu vereinfachen. Kluge Köpfe ersinnen schnell einen kostenpflichtigen teuren Schutzbrief. Der wiederum sichert Reisenden zu, dass sie im Angriffsfalle vom jeweiligen Landesherren Schadensersatz einfordern können. Vor Antritt der Reise ist dieser gegen Bares zu erwerben. Und von Stund´ an muss der Geleitherr selbst nicht mehr auf die Straße + er muss keine Schutztruppe mehr aufstellen. Jetzt kann man Kräfte und Geld sparen und kann sich anderweitig austoben. Hurra, Sachsenhausen bekommt in diesen rüden Zeiten also nicht nur die HausnummerSachsenhausener Feudalherren erschaffen die Basis eines heute umfangreichen Versicherungswesens.

Geleitsteine und Geleitkreuze ….

Geleitschutz ist eine sehr lukrative Einnahmequelle. Die territorialen Herren, nicht nur um Frankfurt, markieren ihre Gebiete deutlich mit Geleitsteinen oder Geleitkreuzen, die man noch immer vielerorts entdecken kann; ich kenne einige grobe Sandsteinmarkierungen im Wald und in der Flur, szs. Heute geht das freilich eleganter ….

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