Grethenweg

frankfurter bembel Vom Grethenweg in Sachsenhausen erfahre ich, dass niemand weiß, weshalb er so heißt. Aber ich habe eine Vermutung. Grethe- ist die Abkürzung für den Frauennamen Margarethe. Ich weiß das von anderen Orten, wo es solche Straßennamen oder Ortsteile gibt. Und da weiß man es genau. Es ist irgendeine Margarethe, derer man hier gedenken will.
Der Name hat eine Wurzel im Lateinischen und heißt Perle. Das ist schön. Viele bekannte Frauen tragen bis ins 20. Jhd. diesen Namen und es fällt mir schwer, mich für eine zu entscheiden. Aber da erinner´ ich mich an die Tirolerstraße in Sachsenhausen und schon ist der Bezug zur Margarethe, Herzogin von Tirol, hergestellt. Es ist eine Konstruktion, aber sie gefällt mir.
Also, man verpasst der Tirolerin den sehr wenig schmeichelhaften Beinamen „Maultasch“, weil sie so hässlich und so liederlich sein soll, dass man das immer wieder betont. Die Wahrheit muss das aber nicht sein. Doch auch der schöne Name „Perle“ hilft ihr nicht wirklich weiter – die üble Nachrede bleibt.
Kein Grethchen, sondern eine Grethe, wenn schon …
Die Margarethe Maultasch ist eine gewitzte Politikerin, Strategin und Intrigantin, die ihre Heimat Tirol allerdings sehr liebt und vieles für ihre adligen Leut´ tut. Die politischen Verhältnisse in dieser Zeit sind sehr verstrickt und die Grethe von Tirol mischt kräftig mit. Dann sterben Mann und Kind und sie ist müde vom anstrengenden Regieren. 1363 vererbt sie ihren Besitz, geht nach Wien, wo sie einen Sitz mit lebenslangem Wohnrecht hat und nur sechs kurze Jahre später ebenda stirbt.
Und als ich eben diesen Text beenden will, drängt eine andere Frau mit Namen Margaretha in mein Bewusstsein: Die Frankfurterin Susanna Margaretha Brandt, die angebliche Kindsmörderin, die 1772 in Frankfurt enthauptet wird. Sie liefert Goethe die Vorlage zum Gretchen im Faust, die tragische Person. Meine Güte, ich war schon in der Schule sauer. 
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